Ivan Sivec: Spuren unseres Lebens (Najine sledi)

Einband aus Spuren unseres Lebens

SPUREN UNSERES LEBENS - Die künstlerischen Wege von Ivanka Kraševec Prešern und Ivan Prešern-Žan.

Übersetzung aus dem Slowenischen von Christina Fleischhacker und Elisabeth Janisch.




An unsere Freunde!

Jeder Mensch hinterlässt Spuren, wir beide vor allem in den Bereichen Musik und Malerei. Natürlich sind wir noch nicht am Ende unseres Weges angekommen, aber das Jubiläum ist eine gute Gelegenheit, zumindest auf einen Teil davon zurückzublicken.

All das, was wir in den vergangenen fünfzig Jahren geschaffen haben, entstand spontan, aus unserem Herzen, unserem tiefsten Inneren, mit dem Ziel, mit euch, unseren Weggefährten und Freunden, in Kontakt zu treten. Es ist schön, sein Innerstes preiszugeben und mit all jenen zu teilen, die ähnlich über das Leben, die Kunst, die Welt, die Gegenwart und die Zukunft denken. Und davon gibt es viele unter euch. Auch wenn wir in unterschiedlichen Bereichen tätig sind, besteht unser Leben aus überraschend ähnlichen Plänen, Wünschen und Träumen. Es bedeutet für uns auch großes Glück, so viele großartige Weggefährten, Seelenverwandte und Gleichgesinnte getroffen zu haben.

Wir danken allen, die uns zur Seite gestanden sind und uns noch immer zur Seite stehen. Unseren lieben Eltern, Geschwistern, Musiker- und Malerfreunden. Da sich unsere Träume bei den Alpenoberkrainern am stärksten verwirklicht haben, möchten wir uns besonders bei den Mitgliedern dieser großartigen Gruppe bedanken. Es ist uns bewusst, dass ohne eure Unterstützung - die Unterstützung von Lehrern, Komponisten, Dirigenten, Liedtextern, Gastmusikern, Instrumentalisten, Tontechnikern, Produzenten, Organisatoren, Journalisten, Autoren unserer Memoiren und vielen anderen - all das, was uns in die Wiege gelegt wurde, nie zum Ausdruck hätte kommen können. Daher sind das nicht nur unsere Spuren, sondern die Spuren von euch allen bzw. uns allen. Auch wenn Optimismus unser ständiger Begleiter ist, ist uns bewusst, dass die Zeit erbarmungslos läuft. Mit diesem Buch, das ihr nun in euren Händen haltet, versuchen wir, zumindest einen kleinen Teil davon zu bewahren.

Wir sind glücklich, dass wir unsere Reise durch die Zeit und unser gemeinsames Leben, durch den bunten, manchmal aber auch grauen Alltag teilen konnten und weiterhin teilen können. Wir haben versucht, ihn mit Musik und Bildern so gut wie möglich zu bereichern, denn Musik ist wie ein unsichtbarer Faden, der verwandte Seelen verbindet, und Bilder machen das Unentdeckte unserer kleinen inneren Welt sichtbar.

Wir danken euch allen, dass wir euch als Mitarbeiter, Weggefährten und Freunde kennenlernen durften.




DIE SAMTSTIMME UND DER GOLDTROMPETER

Ivanka und Žan. Die Altistin mit der Samtstimme und der Goldtrompeter. Die beiden Künstler, die tiefe Spuren hinterlassen, Spuren, die jeder Slowene kennt. Spuren, die wir in diesem Buch nur andeuten können, denn in Wirklichkeit sind sie noch tiefer und herausragender.

Ivanka war als Pionierin des slowenischen Schlagers und Sängerin von Volksliedern der slowenischen Region Weißkrain bekannt. Sie verstand es, Melodien von Dovžan, Burnik und besonders von Žan sowie Texte der bekanntesten slowenischen Liedtexter ausgezeichnet zu interpretieren. Ivanka wurde oftmals als Weißkrainer Nachtigall bezeichnet, würde aber mindestens die Bezeichnung slowenische Nachtigall verdienen. Die Stimme der Altistin kannte nämlich keine Grenzen und erreichte jedes Herz.

Žan verschrieb sein ganzes Leben vor allem der Trompete und dem Komponieren von Melodien. Er galt schon vor Jahren als einer der besten slowenischen Trompeter der Volksmusik und des Jazz. Er schrieb Dutzende unvergessliche Melodien, die nicht nur in ganz Slowenien, sondern in ganz Europa von zahlreichen Musikgruppen sehr gerne gespielt werden. Vor allem als Komponist, der den Alpenoberkrainern ihren eigenen Klang und Schwung gab, fand er auch im Jazz und anderen Bereichen seinen Weg. Žan ist somit zweifelsohne ein origineller, bekannter und unvergesslicher Komponist.

Im reiferen Alter entdeckten Ivanka und Žan auch die außergewöhnlich bunte und reiche Welt der Malerei. Bei Žan zeigte sie sich schon von Kindesbeinen an und erst jetzt offenbart sie sich ihm in aller Pracht, vor allem im Klang. In die Welt der Malerei entführte er später auch seine Lebensgefährtin Ivanka, die ihre verborgene künstlerische Seite gerade entdeckt hatte.

Am erfreulichsten dabei ist, dass beide immer so warm und aufrichtig blieben, wie sie es die ganze Zeit über durch ihre Musik und Malerei zeigten. Beide verdienen von allen Seiten höchste Anerkennung und Bewunderung. Ihr ganzes Leben lang haben sie sich für andere aufgeopfert, und trotz vieler Hindernisse auf dem Weg nach oben blieben sie bis heute bodenständig, offen und kommunikativ. Daher bestärkt und berührt ihre Arbeit uns alle so sehr.

Möge dieses Buch über Ivanka und Žan Vorbild und Unterstützung für den täglichen und künstlerischen Weg vieler anderer Musiker und Maler sein, vor allem für diejenigen unter uns, die noch immer auf der Suche nach sich selbst sind.

Ivan Sivec



Ivankas musikalischer Weg

Ivanka Kraševec als Veilchenverkäuferin im Fernsehen, 1963   Ivanka Kraševec Prešern auf einer Malerkolonie in Varaždin
Ivanka Kraševec als Veilchenverkäuferin
im Fernsehen, 1963
Ivanka Kraševec Prešern auf
einer Malerkolonie in Varaždin

DORT, WO WIR ZU HAUSE SIND

Ivankas Lebensweg begann während des Zweiten Weltkriegs im Ausland. Die Familie Kraševec lebte nämlich in jener typischen Weißkrainer Armut, die damals Bescheidenheit genannt wurde. Zu den schwierigen Zwischenkriegsbedingungen kamen noch drei hilflose Kinder - das vierte wurde nach dem Krieg geboren - sodass Ivankas Kindheit wirklich nicht einfach war. Dennoch sind Ivankas Erinnerungen daran positiv und bereits ungewöhnlich früh mit Liedern verbunden.

Die Eltern von Ivanka, Vater Janez bzw. Janko, wie er genannt wurde, und Mutter Vida, waren beide vom Leben geprägt. Der Vater aus Čurile bei Metlika war gelernter Schuster. Im Alter von nur zwölf Jahren verlor er beide Eltern. Sein Vater starb durch den Tritt eines Pferdes, seine Mutter starb an einer Vergiftung. Ivankas Mutter lebte bei den Großeltern in Gradac und war ein unehelicher, nach damaligen Maßstäben unerwünschter, unnützer Bastard. Ihre Mutter war in Metlika verheiratet und Hebamme, eine Hebamme mit Fahrrad, die manch einem Bewohner von Weißkrain auf die Welt geholfen hatte.

1939, als schon der Zweite Weltkrieg vorhergesagt wurde, bekam das Ehepaar Kraševec ein Mädchen namens Vida. Ivanka war das zweite Kind und wurde am 22. Oktober 1941 in München geboren, ein gutes halbes Jahr nach Kriegsbeginn. Ivanka erzählt darüber folgende interessante Geschichte:

»Mein Vater war Schuster von Beruf, meine Mutter - so wie die meisten Frauen dieser Zeit - Hausfrau. Da das Leben in Slowenien ziemlich hart war, ging mein Vater ein Jahr vor dem Krieg nach Deutschland, um Geld zu verdienen. Er arbeitete als Lokomotivheizer. Als der Krieg ausbrach, wussten meine Eltern nicht, was sie tun sollten. Einerseits war die Arbeit in Deutschland für unsere Verhältnisse sehr gut, und mein Vater hätte sie auch behalten können,
andererseits standen wir zu unserer Herkunft, weshalb die Eltern nicht wollten, dass mein Vater der Besatzungsmacht dient. Daher fuhr meine hochschwangere Mutter mit dem Zug zu ihrem Mann nach München, um mit ihm zu beraten, wie es weitergehen sollte. Dort wurde ich am 22. Oktober geboren. Mein Vater ging, mit schlechten Deutschkenntnissen, noch an diesem Tag zum Standesamt, um meine Geburt bekannt zu geben. Die Beamten schickten ihn aber wieder weg, angeblich sollen sie bald Feierabend gehabt haben. Und so konnte er meine Geburt erst am nächsten Tag bekannt geben.«

Daher steht in allen Dokumenten, dass Ivanka Kraševec, das zweite Kind von Janez und Vida, am 23. Oktober 1941 geboren wurde. Sie wohnten in der Akazienstraße, in einem Teil von München, der auch Fasangarten genannt wurde. Als sie mit den Alpenoberkrainern später einmal in Bayern zu Gast war, wollte sie ihren Geburtsort besuchen, musste aber feststellen, dass dieser bescheidene Arbeiterstadtteil abgerissen bzw. während des Kriegs zerstört worden war. Alles, was geblieben ist, sind Erinnerungen.

Die ersten Erinnerungen erzählten Ivanka natürlich ihre Eltern. Der Vater gönnte sich hin und wieder ein Bier, Ivanka schmeckte der Schaum sehr gut. Daher zählte folgende Bitte zu ihren ersten: »Pa-pa, ein bisserl - ein bisserl!« Sie bat, dass ihr der Vater nur ein kleines bisschen von diesem bitteren Schaum abgab, der ganz anders schmeckte als ihre sonstige bescheidene Nahrung. Auf die Aufforderung der Großmutter kehrte Familie Kraševec nach einem guten Jahr in die Heimat zurück. Das dritte Kind, Janči, wurde 1943 in Slowenien geboren, das vierte, Martin, erst 1952, sieben Jahre nach dem Krieg.

»Meine Eltern erzählten mir, dass wir im Frühling zurückkehrten, als die Kirschbäume in aller Pracht blühten. Wir hatten einiges an Gepäck mitgebracht, einen Kinderwagen, der Pfarrer von München hatte mir eine echte Goldmünze geschenkt, andere nette Menschen auch Kleidung. Noch bevor wir alles auspacken konnten, setzte mich meine Mutter auf den Tisch und ich begann, wahrscheinlich vor Glück, weil der Frühling draußen so schön war und weil wir zur Großmutter nach Metlika zurückgekehrt waren, von alleine Uta-ta, u-tata, ro-ži-ce« (Uta-ta, u-tata, Blu-men) zu singen.«

Obwohl Ivanka später den Großteil ihres Lebens Liedern widmete, waren es andere, die Lieder für sie schrieben. Das war das einzige Lied, das sie in ihrem ganzen Leben selbst komponierte. Damals sang einfach ihr Herz.

Der Vater von Ivanka schloss sich sofort nach seiner Ankunft der XV. Brigade der Weißkrainer Partisanen an, wo er sich unter anderem mit dem Vater des bekannten Weißkrainer Komödianten Toni Gašperič anfreundete. Auch Tonis Vater war Schuster und die beiden waren gute Kameraden.

Trotz des Krieges wuchs Ivanka mit Liedern auf. Sie erinnert sich gerne an ihre Mutter, die bei jeder passenden Gelegenheit gerne sang, und daran, dass ihr Vater dann immer im Bass antwortete. Die Mutter sang zum Beispiel:
»Wenn ich zu dir komme in der Nacht…«
Und der Vater wiederholte:
»In der Nacht!«
Auch sonst war die Mutter eine außergewöhnlich begabte Frau, die Lehrerin werden wollte, aber dazu nicht die finanziellen Möglichkeiten hatte. Sie wurde nur in zwei Kurse geschickt, wo sie Handarbeiten und gutes Benehmen lernte, was ihr zugutekam, als sie bei fremden Leuten im Dienst war, vor allem in Zagreb bei Juden. Ihre Mutter Klara war in Metlika mit dem Schuster Vrviščar verheiratet, der ein netter Mann war. Die junge Vida wuchs bei der Großmutter in Gradac auf und besuchte ihre Mutter nur in den Ferien. Das Ehepaar Vrviščar hatte keine Kinder. Das Schicksal wollte es so, dass Ivankas Vater Janko ausgerechnet bei Vrviščar die Schusterlehre machte, wo er ihre Mutter kennenlernte.

Infolge einer schweren Grippe mit 16 Jahren litt Ivankas Mutter an einer Knochenentzündung. Als Ivanka schon in Ljubljana war, wurde ihrer Mutter vom Krankenhaus in Novo Mesto angeboten, sie kostenlos zu operieren. Ein Fuß war nämlich ihr ganzes Leben um ganze sieben Zentimeter kürzer, weshalb sie hinkte. Sie fragte ihre vier Kinder, ob sie sich für die Operation entscheiden sollte. Die Kinder - Vida, Ivanka, Janči und Martin - waren sich einig: »Wenn es dich nicht stört, uns stört es nicht. Deshalb wirst du keine bessere Mutti.«

Also entschied sie sich gegen die Operation. Allen blieb sie aber als überaus gute und fürsorgende Mutter im Gedächtnis, als echter Goldschatz.

Mit Ivankas frühester Jugend ist noch eine Erinnerung verbunden. Das Haus der Großmutter stand am Hang, mit einer Stützmauer über der Straße nach Metlika.

Ivankas Bruder Janči lag im Kinderwagen und wälzte sich wohl so stark hin und her, dass sich der Wagen plötzlich Richtung Hang bewegte, zwar langsam, aber trotzdem. Die Mutter war nicht in der Nähe, nur Ivanka war da.

Als sie sah, dass der Kinderwagen den Hang hinunterrollte, lief sie sofort hin und versuchte ihn aufzuhalten. Da sie ziemlich zierlich war, rollte der schwere Wagen mit dem Brüderchen weiter und weiter. Ivanka wollte ihn aber nicht loslassen. Ihr war wohl bewusst, dass ihr jüngerer Bruder sterben könnte, wenn der Kinderwagen über die Mauer stürzte. Da sie ihn nicht losließ, schleifte sie der Wagen mit, sodass Ivanka, mit den Händen am Griff, den rollenden Wagen nur noch mit den Füßen bremsen konnte.

Am Ende war alles gut. Der Wagen blieb kurz vor der Mauer stehen, aber Ivanka hatte ganz blutige Füße. Manche kleinen Taten sagen über einen Menschen aber mehr als tausend Worte …



Žans musikalischer Weg

Ivan Prešern-Žan, Alpenoberkrainer   Na koncertu [Konzert]
Ivan Prešern-Žan, Ausnahmetrompeter
und Komponist zahlreicher erfolgreicher
und einzigartiger Swingklänge
der Alpenoberkrainer
Na koncertu [Konzert]

IVAN SPIELT AUF

Zur Zeit, als Ivan Prešern im zarten Alter von zwölf Jahren begann, die Musikwelt zu erobern, erfuhr das Kulturleben in der Arbeiterstadt Javornik einen großen Aufschwung. Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dort ein gewerkschaftlicher Kulturund Kunstverein gegründet. Ab 1952 entstanden in ganz Slowenien die Arbeiterbildungsvereine Svoboda. Auch Javornik und Koroška Bela waren da mit der Gründung des Svoboda-Arbeiterbildungsvereins France Mencinger keine Ausnahme. Im Jahr 1947 wurde auch eine Blaskapelle gegründet, die von 1947 bis 1953 sowie von 1956 bis 1968 von Julij Sorgo geleitet wurde. Neben der Kapelle in Javornik gehörten auch ein Streich- und Unterhaltungsmusikorchester zum Svoboda-Verein. Geleitet wurden beide von Julij Sorgo, der als Musiklehrer in der Musikschule Jesenice und ihren Außenstellen in der Umgebung viele junge Musiker ausbildete.

Wie für viele seiner Kollegen begann auch Ivans musikalischer Werdegang mit dem erstklassigen Musiklehrer und Dirigenten Julij Sorgo.

»Sowohl die Theorie als auch die Praxis hatte ich relativ schnell drauf. Herr Sorgo brachte mir in der Musikschule die Theorie bei, sodass ich Noten lesen konnte, noch leichter fiel mir das Trompetespielen. Einen großen Ansporn stellten hierbei meine älteren Kollegen dar, alle leidenschaftliche Musiker wie Jože Šmid, Franci Rožič, Franci Bizjak, Marjan Praprotnik und Jože Bizjak. Mit fast allen spielte ich später in verschiedenen Musikgruppen, der Musikschule, auf Festen und anderen Veranstaltungen. Eine besondere Erwähnung verdient der drei Jahre ältere Jože Šmid, der in vielerlei Hinsicht mein musikalisches Vorbild war."

Doch vor allem die Blaskapelle stellte damals eine wichtige Brutstätte für junge Musiker dar. So brachte auch die Javorniker Blechmusik einige Vertreter der alpenländischen Volksmusik hervor. Der Werdegang von Unterhaltungsmusikern und alpenländischen Volksmusikern führte damals nicht an der Blaskapelle vorbei.

»In der Musikschule gründeten wir die Gruppe ABC, die vor allem auf Festen und ähnlichen Veranstaltungen spielte. Die Auftritte mit der Kapelle waren da schon etwas aufregender, da wir nicht nur zu Hause spielten, sondern oft mit Lastern und später Autobussen nach Kranjska Gora und Bohinj fuhren, was uns ganz schön fein vorkam. Unter anderem begleitete die Kapelle Sportler und Turner, auch Weckrufe zum 1. Mai waren sehr beliebt. Dafür musste ich zwar früh aufstehen, doch ich war sehr stolz darauf, schon als Junge bei diesen wichtigen Morgenkonzerten mitspielen zu dürfen. Ganz besonders freuten wir Jüngsten uns auf das Sandwich und Cockta, das wir danach bekamen."

Anfangs spielte Ivan Flügelhorn, aber der Aufstieg von der dritten bis zur ersten Trompete ging sehr schnell.

»Das Programm passten wir natürlich an die jeweilige Veranstaltung an. Zu unserem Repertoire gehörten Partisanenlieder und - märsche, aber auch Volks - und volkstümliche Musik. Für Promenadenkonzerte hatten wir ein anspruchsvolleres Programm, angefangen mit Serenaden, womit wir öfters in Bled und Šobec vor ausländischen Touristen auftraten."

Fast alle Jungen spielten in der Kapelle.

»Immer, wenn unserer Kapelle ein Instrument fehlte, beauftragte uns der Dirigent Julij damit, jemanden zum Spielen mitzubringen. Lange musste man nie suchen. Obwohl all unsere Instrumente ziemlich bescheiden und alt waren, schafften wir es, ihnen schöne Töne zu entlocken.«

Dass Ivan bei der Javorniker Blaskapelle immens dazulernte, hat er laut eigener Aussage dem ausgezeichneten Dirigenten sowie den hervorragenden und leidenschaftlichen Musikern zu verdanken.

Doch sie hörten auch andere Musik wie z. B. verschiedene Unterhaltungsmusikorchester. Der Jugend gefiel aber vor allem der aus dem Westen kommende Jazz.

»Damals schaffte man sich zu Hause die ersten Grammofone an. Wer ein Grammofon hatte, war angesagt. Wir Jungen tauschten Platten aus und hörten sie uns dort an, wo es das bessere Grammofon gab. Von Jazz waren alle sofort begeistert, gefallen haben uns aber auch Unterhaltungsmusiker wie Pat Boone und Elvis Presley. Am Jazz gefiel mir vor allem, dass er im Vergleich zu den Liedern, die ich spielte und gerne hörte, so frei, chaotisch und improvisiert war, jedoch am Ende jedes Liedes alles perfekt harmonierte. Vor allem gefiel mir der pointierte Rhythmus. Diese Musik war einfach ganz anders als z. B. die von Mantovani oder Blaskapellen, wo alles bis auf die letzte Note geregelt und an seinem Platz war. Wir strebten jedoch nach Freiheit, was auch die Musik ausdrücken sollte. Daher spielten wir öfters im Alleingang das nach, was wir im Radio oder auf den Platten hörten.«

Trotz seiner Jugend war Ivan schon bald als einer der besten Trompeter bekannt, sodass die Javorniker Kapelle ihn öfters an benachbarte Blaskapellen »ausleihen« musste, vor allem für anspruchsvollere Trompetenstücke.

Musikunterricht bekam er in Javornik zwar nur drei Jahre lang - vom 12. bis zum 15. Lebensjahr - aber dank seines großen musikalischen Talents überholte er so einige. So war der Entschluss für eine weiterführende Musikausbildung trotz einiger Bedenken der Eltern schnell gefasst und die Entscheidung fiel auf das Musikgymnasium in Ljubljana.

Dafür war jedoch auch einiges an Vorbereitung nötig. Das Musikwissen war zur damaligen Zeit zwar vielerorts noch ziemlich gering, doch nur die Besten wurden ins Gymnasium aufgenommen.

»Der Lehrer Ulčar, ein ausgezeichneter Trompeter, der auch in Österreich lehrte und spielte, bereitete mich auf die Aufnahmeprüfung vor. Von Theorie hatte ich nicht viel Ahnung, das Spielen lief jedoch sogar bei den anspruchsvollsten Stücken mit seiner Hilfe wie am Schnürchen. Als ich befürchtete, die Aufnahmeprüfung nicht zu bestehen, tröstete er mich mit diesen Worten: ,Die Theorie wirst du sowieso im 1. Schuljahr lernen und beim Spielen bist du ausgezeichnet!' Und genau so war es auch. Die Aufnahmeprüfung bestand ich problemlos.«

Und so schrieb sich der vielversprechende Ivan als Gymnasiast am heutigen Konservatorium für Musik und Ballettausbildung in Ljubljana ein.

»Der Unterricht fand an mehreren Orten in Ljubljana statt. Gewohnt habe ich im Internat in Šiška.«

Alles veränderte sich mit Ivans Umzug nach Ljubljana jedoch nicht, denn er spielte weiterhin mit verschiedenen Musikgruppen in Bled und Bohinj, aber auch in Ljubljana und andernorts.

»Ich spielte überall gerne und zusammen waren wir richtig solide Musiker. Noch vor meiner Gymnasiumszeit fuhr ich jeden Abend zum Spielen nach Bled - mit dem Fahrrad! Das Spielen stand für mich immer an erster Stelle, alles andere kam danach. Sogar das damit verdiente Geld, obwohl ich gerade damit auf eigenen Beinen stehen konnte und nicht mehr von meinen Eltern abhängig war.«

In Ljubljana sorgte die Musik jedoch nicht nur für musikalische Genüsse, sondern auch für viele andere jugendliche Ausgelassenheiten. Vor allem, als er in der berühmten Schülerband Albatros spielte, deren Leiter und sichtbarste Persönlichkeit Miha Jazbinšek war.